Marcus Geiger, 'Projekt 2 für Erste Campus', 2014-2016

Marcus Geiger, Projekt 2 für Erste Campus, 2014–2016 © Erste Group Bank AG; Foto Oliver Ottenschläger

Malerei, Hausfassaden am Wiedner Gürtel Nr. 2 bis 10

Marcus Geiger hat in seiner künstlerischen Intervention für den Erste Campus spielerisch das Wesen, die Ziele, Auswirkungen und Ausstrahlungen der alltäglichen Aktivitäten im Gebäude „porträtiert“ und für dieses „Porträt“ Farbe als das ursprünglichste Medium der Kunst verwendet.

Er hat die Fassaden der Häuserzeile, die dem Erste Campus am Wiedner Gürtel unmittelbar gegenüberliegt, in den jeweils konstitutiven Pastellfarben der sieben Euro-Banknoten „renovieren“ lassen und damit gleichsam den schimmernden Schatten des Erste Campus sichtbar gemacht. Die Übertragung der Farben auf Architektur, und nicht auf Leinwand, erinnert an die Grundidee bei der Gestaltung der Banknoten, kulturgeschichtliche Epochen in Form von jeweils archetypischen Bauwerken symbolhaft darzustellen. Die Farbgebung der einzelnen Fassaden folgt keiner Ordnung der Besitzverhältnisse und ignoriert bestehende Häusergrenzen. Damit stellt Marcus Geiger mit seiner Intervention gewohnte Blickrichtungen in Frage. Ist für herkömmliche „Kunst am Bau” immer der imaginierte Blick von außen auf das Gebäude selbst und seine dadurch repräsentative Kunst bezeichnend, fordert Geigers Projekt den Blick von innen aus dem Gebäude heraus nach draußen und damit den Blick der in dem Gebäude Tätigen auf die räumlichen, zeitlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge, in denen sie ihre Arbeit verrichten. Die Glasfassaden des Erste Campus tragen mit Spiegelungseffekten das ihrige zur reflexiven Vielfalt möglicher Blickrichtungen und -weisen bei.

Marcus Geiger, geboren 1957 in Muri, Schweiz. Lebt und arbeitet in Wien. International bekannt wurde Marcus Geiger mit Projekten, die die Wahrnehmung urbanen und institutionellen Raums verändern, indem sie verdrängte, unterdrückte oder übersehene Zusammenhänge und Ordnungen offenlegen, wie etwa bei seinen Projekten bei der Manifesta 3 in Ljubljana, in der Secession, Wien, im Sozialwohnungsbau Brauerei Liesing oder bei der 6. Berlin Biennale. Seine Werke waren u.a. im 21er Haus, Wien, Kunsthaus Zürich, Kunstverein München, Kunst museum St. Gallen, der Bawag und in der Generali Foundation, Wien zu sehen.

Text: Kathrin Rhomberg & Pierre Bal-Blanc

 

 

Das könnte Sie auch interessieren