Roman Ondak, '3015', 2015

Roman Ondak, „3015“, 2015 © Erste Group Bank AG; Foto Oliver Ottenschläger

Skulptur, Haupteingang (Außenbereich)

Roman Ondak fügt mit seinen Skulpturen dem Campus stofflich nichts Neues hinzu, nichts, das in der Architektur des Gebäudes nicht bereits als Materialidee vorhanden gewesen wäre. Wo „Kunst am Bau” sich gewöhnlich dadurch bestimmt, dass der Profanität des Baukörpers und der an ihm verwendeten Baustoffe ein materiell Anderes, ausdrücklich Unverwandtes zur Seite gestellt wird, hat Roman Ondak für seine Skulpturen lediglich Form und Färbung der für die Statik des Gebäudes zentralen Stahlsäulen abgewandelt, die im Erdgeschoss freistehend sichtbar sind. Inmitten dieser, aber im Gegensatz dazu dysfunktional und an der ihnen zugedachten Aufgabe gescheitert, stören sie als Ruinen ihrer vermeintlich ursprünglichen Form das Ensemble aller anderen Säulen. Anders als diese haben sie Rost angesetzt, sind aus der Senkrechten gekippt und abgebrochen. Der offensichtliche Verlust ihrer statischen Funktionalität und der Umstand, dass sie dennoch als Ruinen anwesend bleiben, drängt dazu, die Vorstellung von allen Wahrscheinlichkeitsberechnungen trotzenden Fehlfunktionen zumindest als abstrakte Denkmöglichkeit zuzulassen. Dieser Befragung der tatsächlichen Unfehlbarkeit von vermeintlich Gesichertem wird durch die Assoziation der dysfunktionalen Säulen mit antiken Säulenmonumenten eine zeitliche Dimension hinzugefügt. Die Zeitachse und die Blickrichtung gibt der von Roman Ondak für seine Skulptur gewählte Titel „3015“ vor: Eine Gegenwart, die sich ihrer Zukunft und damit ihrer Verantwortung für diese Zukunft bewusst ist.

Roman Ondak, geboren 1966 in Žilina, Slowakei, lebt und arbeitet in Bratislava. Das Werk von Roman Ondak ist von einer interventionistischen Praxis gekennzeichnet, die sich der Wirklichkeit subtil annähert, um alltägliche Erfahrungsmomente auf unkonventionelle und poetische Weise in Frage zu stellen und damit bewusst zu machen. Ephemere Performances sowie direkte Interventionen bilden die Grundlage seiner ortspezifischen Arbeiten. Oft initiiert der Künstler partizipatorische Projekte mit Amateuren. Roman Ondaks Werke waren in renommierten Biennalen und Ausstellungshäusern wie der 53. Venedig Biennale, der Manifesta 3 in Ljubljana, der 6. Berlin Biennale, dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia in Madrid, dem Centre Pompidou in Paris, dem Museum of Modern Art in New York und der Tate Modern in London zu sehen.

Text: Kathrin Rhomberg & Pierre Bal-Blanc

 

 

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