
Slaven Tolj, 'From Ten to Zero', 2015

Slaven Tolj, From Ten to Zero, 2015 Foto: Mladen Tudor, Return of gastarbajter, 1978
Soundinstallation, Atrium
Slaven Toljs Soundarbeit „From Ten to Zero“, die im Atrium des Erste Campus mehrmals täglich zu hören ist, erweckt den Eindruck als würden die Wände des Gebäudes zu „sprechen“ beginnen. Versteckt hinter den Wänden des Atriums hat Slaven Tolj Lautsprecher installieren lassen und für den Sound verschiedene historische und zeitgenössische Tonaufnahmen verwendet. Es handelt sich hierbei um Tondokumente vom ehemaligen Südbahnhof, um Ankündigungen der an- und abfahrenden Züge, Gespräche und Textfragmente in den verschiedenen Sprachen der Gastarbeiter, der politischen Flüchtlinge und Touristen, die hier angekommen und oft erstmals mit dem „Westen“ bzw. mit Wien in Berührung gekommen sind. Ebenso zu hören sind musikalische Dokumente aus Spielfilmen und aus Ländern der ehemaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie sowie Tonaufnahmen von aktuellen Flüchtlingsbewegungen und politischen Demonstrationen. Slaven Tolj verwebt auf diese Weise das Bankgebäude und die Geschichte des Areals, auf dem der Erste Campus errichtet wurde, mit unserer unmittelbaren Gegenwart. Er ruft Erinnerungen an den verschwundenen Südbahnhof wach, welche Rolle er im Leben seiner Benutzer und in der Geschichte des Kalten Krieges gespielt hat, stellt Bezüge zu den durch ihn erschlossenen Ländern der Monarchie und der Erste Group her und lässt erahnen, wie die vergangenen Zeiten und Ereignisse sich in unserer Gegenwart fortschreiben und unser Denken und Handeln beeinflussen.
Slaven Tolj, geboren 1964 in Dubrovnik, lebt und arbeitet in Rijeka und Dubrovnik. Seine Arbeiten beziehen sich auf die Balkankriege und die Auswirkungen der politischen und sozialen Transformationen in den postkommunistischen Gesellschaften. Slaven Tolj baut dabei sein Werk an der engen Grenze zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem auf — in einer Vielzahl von Medien, von Performance bis Installation, Fotografie, Video und Readymades. Zu sehen waren seine Arbeiten in zahlreichen internationalen Ausstellungen, wie etwa der documenta X in Kassel, der Moderna Galerija, Ljubljana, dem Moderna Museet in Stockholm, dem Museum moderner Kunst in Wien und dem "steirischer herbst festival" in Graz.
Text: Kathrin Rhomberg & Pierre Bal-Blanc